Die bitteren Tränen der Petra von Kant |
Liebesleid und lustvolle Qualvon
Hans-Christoph Zimmermann, General-Anzeiger Bonn, 25. März 2004 |
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Frauen sind die besseren Monstervon
Susanne Schramm, Aachener Zeitung, 24. März 2004 |
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Fassbinders "Petra von Kant" in Kölnvon
Rudolf Alexander, Kölnische Rundschau, 24. März 2004 |
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Bühnen frei für Stöckelschuhevon
Susanne Kreitz, Kölner Stadt-Anzeiger, 6./7. März 2004 |
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Liebesleid und lustvolle Qualvon Hans-Christoph Zimmermann, General-Anzeiger Bonn, 25. März 2004 |
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Premiere. Jungregisseurin Ingrid Gündisch inszeniert Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ im Kölner West – End – Theater und webt dabei ein enges Netz emotionaler Konvergenzen Eine ideale Verbindung ist das. Marlene spuckt ihrer Herrin Petra von Kant gerne in den Gin Tonic, dreht die Musik laut, um sie zu wecken, nur um danach mit hündischer Ergebenheit einen Brief im Maul wegzubringen und sich schikanieren zu lassen. Das Skandalon liegt nicht in der Verstrickung von Dominanz und Unterwerfung, sondern darin, dass beide Frauen in ihr ihr Glück finden und sich zwischendurch liebe- und lustvolle Blicke zuwerfen. Eine erfüllte Beziehung, bis die junge Karin Thimm auftaucht und der Modeschöpferin Petra von Kant die bitteren Tränen beschert, von denen Rainer Werner Fassbinders Stück im Titel spricht. „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ ist eine genaue Studie über emotionale und soziale Ausbeutung, die ihre Schärfe aus Künstlichkeit und Melodramatik der Darstellung bezieht. Fassbinders 1971 entstandenes Stück versieht seine Figuren mit Populärerkenntnissen, die in jedem Kitschroman vorkommen könnten, doch ohne sie je zu denunzieren oder zu ironisieren. Daran hält sich auch die junge Regisseurin Ingrid Gündisch im Kölner West-End-Theater. Mehr noch, sie webt mit den aus ihrer vorherigen Inszenierung („Die bitteren Tränen der Petra von Kant“) bekannten psychologischen Tiefenbohrungen ein enges Netz emotionaler Konvergenzen. So sadistisch-lustvoll Petra ihrer Freundin Sidonie (Birgit Walter) vom Scheitern ihrer Ehe erzählt, so genüsslich weidet diese sich später am Liebesleid der Modeschöpferin. Ein Liebesleid, das Petra von Kant allerdings auch mit ihrer pubertierenden Tochter Gabriele (Vanessa Stern) teilt. Die Regie spielt diese Parallelen behutsam, aber deutlich aus und zeigt ein Beziehungsgewebe aus lustvoller Qual, Schadenfreude und melodramatischem Elend. Auslöser dieser Sticheleien ist die junge Karin Thimm. Wie ein Kind sitzt sie trotzig im Zentrum der Bühne und zerschneidet Zeitungen, während Petra von Kant ihr Liebesbeweise abzupressen, sie in Abhängigkeit zu zwingen versucht, die schließlich beschimpft, nur um am Ende verlassen zu werden. Unterbelichtet bleibt in der Inszenierung allerdings der Aufstiegswille, das berechnende Element bei Karin Thimm, die Dunja Dogmani als rehäugige Naive spielt. Dies ist umso bedauerlicher, als Sandra Fehmer die Titelheldin mit einer raumgreifenden körperlichen Präsenz versieht, die ihre Dominanz und Besitzgier sinnlich fassbar werden lässt. Fassbinders kreuzweise Koppelung von sozialer und emotionaler Ausbeutung geht dadurch verloren. Als weiterer Schwachpunkt erweist sich, dass die Auftritte von Sidonie und Petras Mutter Valerie (Renate Fuhrmann) im vorletzten Bild ins Groteske verlaufen. Des überkandidelten Posierens auf der von Helke Hasse ungeschickt zum Schuh-Showroom mit Sitzbank verengten Bühne hätte es nicht bedurft. Allein die ständige stumme Anwesenheit der Bediensteten Marlene (Dagmar Sachse) lässt jede Szene zu einem Auftritt vor Publikum werden. Doch dies sind Kleinigkeiten einer ansonsten erstaunlichen und fast altmodisch genauen Inszenierung. Ingrid Gündisch hat erneut ihre Begabung für seelische Feinziselierung bewiesen, und es ist zu hoffen, dass die Regisseurin bald auch in größerem Rahmen inszenieren wird.
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Frauen sind die besseren Monstervon Susanne Schramm, Aachener Zeitung, 24. März 2004 |
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Köln. Frauen sind Monster. Petra von Kant (Sandra Fehmer), ihre Mutter Valerie (Renate Fuhrmann), ihre Freundin Sidonie (Birgit Walter) und ihre Liebste Karin (Dunja Dogmani) können sich, was das angeht, gegenseitig das Wasser reichen. Petra, die erfolgreiche Modeschöpferin, quält ihre Bedienstete Marlene (Dagmar Sachse), Valerie vereinigt in ihrer Person Borniertheit, Gefühlskälte und Raffgier, Sidonie ist verlogen, Karin liebt nur sich selbst. Allein Gabi (Vanessa Stern), Petras Tochter, ist (noch) unschuldig und endet deshalb als Bauernopfer im perfiden Spiel. Frauen sind die besseren Monster. Das begriff schon George Cukor, als er 1939 «Die Frauen» drehte, ganz ohne männliche Darsteller. 1972 griff Rainer Werner Fassbinder diese Idee mit «Die bitteren Tränen der Petra von Kant» erneut auf. Der Stoff ist für die Bühne ideal. Blendende Voraussetzungen für Ingrid Gündisch, die «Die bitteren Tränen der Petra von Kant» jetzt für das Kölner Schauspiel inszenierte. Premiere war im West-End-Theater. In 90-Minuten-Spielfilmlänge lässt Gündisch ihre Heldin überzeugend himmelhoch jauchzen und zu Tode betrübt sein. Dazwischen bleibt noch genügend Zeit, die stumme Dienerin vorzuführen. Dagmar Sachse gibt die Marlene als devot-gedemütigtes Geschöpf, das lustvoll leidet.
Gegen Ende verkehren sich die Rollen, nun ist Petra diejenige, die gehorcht, apportiert, dressiert wird. Allein, es nutzt nichts - Karin verlässt sie, ein schöner Schmetterling, der nichts von der eigenen Grausamkeit weiß oder wissen will. Schwächstes Glied in der ansonsten wunderbaren Frauenriege ist Dunja Dogmani, der man die Nachwuchs-Femme-Fatale nicht so recht abnimmt. Trotzdem: Das Stück von Frauen (Gündisch wird unterstützt von Bühnenbildnerin Helke Hasse und Kostümbildnerin Cyria Arweiler) mit Frauen über Frauen ist gelungen. Und kann auch Männern zur Ansicht empfohlen werden.
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Fassbinders «Petra von Kant» in Kölnvon Rudolf Alexander, Kölnische Rundschau, 24. März 2004 |
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Köln - «Die bitteren Tränen der Petra von Kant», Film-Erfolg von Meister-Regisseur Rainer Werner Fassbinder, hatte als selten gespieltes Theaterstück am Dienstagabend im Kölner Westend-Theater Premiere. Das 1971 in Frankfurt uraufgeführte Werk um die zerplatzte Vision vom Beziehungsglück einer lesbischen Modedesignerin wirkte auf der Miniatur-Bühne ein wenig zu eingeengt. Da halfen dann auch die vielen Dutzend eleganter, hochhackiger Damenschuhe an der Wand des Wohn-Schlaf-Ateliers der Protagonistin nicht: In Schuhen, die hängen, ist schlecht fort zu laufen. Die junge Regisseurin Ingrid Gündisch brachte mit Hauptdarstellerin Sandra Fehmer eine Petra von Kant auf die Bühne, die trotz aller Übellaunigkeit doch noch zu sympathisch wirkt. Die im Luxus lebende Modefrau, die ihre stumme Bedienstete Marlene schikaniert, könnte und müsste deutlich dekadenter sein. Marlene, die die Eskapaden ihrer «Herrin» stoisch erträgt, ihr mal Brotkrümel aus der Hand «frisst» oder - hündisch ergeben - auf allen Vieren durch den Raum krabbelt, ist in ihrer stets schweigenden Präsenz mit Dagmar Sachse kaum besser zu besetzen. Die junge Frau, in die sich die Designerin dann verliebt, bleibt trotz Sonnenbank-Bräune farblos. Die pseudoemanzipierte Karrierefrau bindet sich dennoch leidenschaftlich in die Schönheit, die den ihr gebotenen Luxus genießt, ohne sich von den absoluten Besitzansprüchen ihrer Geliebten erdrücken lassen zu wollen. Das Zusammenleben wird dem hübschen Dummchen denn auch bald zu langweilig. Die Modefrau ist darüber vollkommen verzweifelt, erleidet exzessive Qualen der Eifersucht und Verzweiflung und bricht schließlich zusammen. In ihrer besoffenen Trauer um die verlorene Liebe demütigt sie die Menschen um sie herum und ist darin sehr viel ausdrucksstärker als in ihrer maskenhaften Freundlichkeit. Am Ende dann muss sie sich eingestehen, dass sie das Mädchen gar nicht wirklich geliebt hat, sondern sie nur besitzen wollte. In den letzten Minuten der eineinhalb Stunden dauernden Inszenierung erholt sie sich langsam, beginnt zu begreifen und Verständnis für andere Menschen zu entwickeln. Aber als sie ihrer unterwürfigen Bedienung Marlene partnerschaftlichen Umgang anbietet, packt diese ihre Koffer. Zum Schluss gab es lang anhaltenden, verdienten Applaus. (dpa)
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Bühne frei für StöckelschuheGroßer Auftritt für alte Treter von Susanne Kreitz, Kölner Stadt-Anzeiger, 6./7. März 2004 |
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Weil nicht genug Geld für eine originelle Ausstattung vorhanden ist, bat das Schauspiel Köln um „Spenden“. „Schöne Schuhe haben jetzt eine Chance auf Rampenlicht“, mit diesem Aufruf bat das Schauspiel Köln Anfang Februar um Spenden. Gesucht wurden „elegante, hoch hackige Damenschuhe in allen Formen und Größen“. Jetzt warten mehr als 150 Paar Damenpumps auf ihren Einsatz. Am 23. März hat das Stück „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von Rainer Werner Fassbinder Premiere im West-End-Theater. |
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Es geht um eine Mode-Designerin, die Kostüme entwirft und die sich verliebt, „wie zum ersten Mal“, so Regisseurin Ingrid Gündisch. Es gehe in dem reinen Frauen-Stück um „Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht, Trauer, die ganze emotionale Palette". Weil Mode das Metier der Petra von Kant ist, sollte das Bühnenbild auch eine modische Kunst-Installation sein. Bühnenbildnerin Helke Hasse, die wie Gündisch vor zwei Jahren mit Schauspielintendant Marc Günther nach Köln kam, wird die Schuhe an der grelltürkis gestrichenen Rückwand der Bühne arrangieren. Überrascht hat beide die große Ausbeute ihres Aufrufs, manche brachten die Schuhe gleich tütenweise vorbei. Beispielsweise eine Frau, deren Mann Schuhe gesammelt hatte und die nach seinem Tod die ausgefallenen Stücke noch einem sinnvollen Zweck zukommen lassen wollte. „Bei anderen ist ganz klar, dass es Fehlkäufe waren“, glaubt Ingrid Gündisch. Atem beraubende Stöckel, schmale Riemchen um die Ferse, ein Hauch von Nichts an den Zehen - ein Traum für eine Ballnacht. Doch dann schmerzen die Füße, und der Traum einer Nacht verschwindet im Schuh-Schrank. Und bekommt nach dem nächsten rauschenden Fest ein sündhaft schönes Nachbar-Pärchen... Einige Schuhe wurden noch in Original-Verpackung aus den 60er Jahren geliefert, vielleicht die berühmten Frustkäufe. Frauen kaufen immer Schuhe, wenn sie verliebt sind; Frauen kaufen immer Schuhe, wenn sie verlassen worden sind... es gibt viele Interpretationen, warum so viele Frauen so viele Schuhe haben. Ingrid Gündisch und Helke Hasse überlassen es den Zuschauern, welche Assoziationen sie bei ihrem Bühnenbild haben werden. Gefreut haben sie sich über die vielen Begleitbriefe. Manche haben einfach „viel Erfolg“ gewünscht, andere machten gleich neue Angebote: „Ich habe auch alte Ledertaschen gesammelt.“ |
Bild: Rakoczy |
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Natürlich tragen auch die sechs Schauspielerinnen in dem Stück, schicke Schuhe, die stammen aus dem Fundus der Bühnen. In den stiefeln die Spenden anschließend auch. Und wer weiß, vielleicht wird der Star einer Traumnacht im Gürzenich ja noch mal der Star eines Opernabends. |
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