Zum Stück
Fünf Jugendliche in einem Probenraum. Sie sind
eine Band und sie haben ein Ziel - die Teilnahme am renommierten
Mudshark-Wettbewerb und: gewinnen natürlich. Die Rollen scheinen klar:
Nellie ist als Sängerin der Star, leistet sich regelmäßiges Zuspätkommen
und hat längst andere Zukunftspläne als nur die Band. Ihr Freund Jonny
schreibt die Songs und hält sich im Hintergrund, ihre beste Freundin Cora
bewundert und verteidigt Nellie, Danny ist der coole Sprücheklopfer am
Schlagzeug und Tina die umsichtige Managerin. Trotz der alltäglichen
kleinen Zänkereien und Eifersüchteleien stehen die Chancen für die „Useless
Beauties“, wie sie sich nennen, nicht schlecht. Doch plötzlich bricht
Nellie zusammen. Die Diagnose: Hirntumor. Was tun? Weitermachen? Aufgeben?
Reden? Schweigen? Jeder geht anders mit dem Schock um. Hilflos sind sie
alle fünf. Als Nellie nach der Operation aus dem Krankenhaus kommt, steht
nur eines fest - singen wird sie nicht mehr können. Doch auch andere
scheinbar unverrückbare Dinge haben sich geändert - Jonny und Cora sind
sich näher gekommen und Tina probt Nellies Part. Ist Verrat ein zu großes
Wort dafür? Klar, das Leben geht weiter. Bleibt Nellies Forderung am
Schluss: „Ich will, dass meine Freunde mich besuchen, und ich will nicht,
dass sie mir erzählen, dass es keine Riesen gibt. Ich will, dass ihr da
seid, mehr nicht. Da sein müsst ihr. Ich weiß auch nicht, wie das geht.
Das wird nicht einfach. Aber ihr müsst mir beim Umzug helfen.“ Die
unerwartete Konfrontation mit dem Tod lässt alle Beteiligten anders über
ihr Leben nachdenken.
Lutz Hübner ist mit „Nellie Goodbye“ ein
unglaublicher Balanceakt gelungen. Er taucht ein in die Lebenswelt der
Jugendlichen und führt sie und die Zuschauer ganz sacht an ihre Grenzen.
Er lässt Trauer, Wut und Hilflosigkeit zu, er tabuisiert nicht und er
ermutigt - trotz allem. Und er bedient sich eines großartigen
Transportmittels jenseits der Sprache: der Musik. Denn auch, wenn die
Songs dieselben bleiben, sind sie am Schluss doch nicht mehr (nur), was
sie am Anfang waren. Nach „Creeps“ (mit insgesamt 50 Vorstellungen) spielt
die WLB nun das zweite Stück des mehrfach ausgezeichneten (Jugendstück)Autoren
Lutz Hübner in der Studiobühne am Zollberg.