Das Tagebuch der Anne Frank |
Anne Frank fordert dich herausvon
Joachim Peters, KirchenZeitung für das Bistum Aachen, 5. September 2007 |
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Anne Frank in szenischer Lesungvon
Grit Schorn, Aachener Nachrichten, 31. August 2007 |
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«Greta» führt Anne-Frank-Stück auf Aachener Zeitung,
24. August 2007 |
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Anne Frank fordert dich herausvon Joachim Peters, KirchenZeitung für das Bistum Aachen, 5. September 2007 |
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Das Tagebuch in Szene gesetzt für junge Menschen – Premiere am gleichnamigen Gymnasium in Aachen Vor einer Stunde herrschte noch ausgelassene Stimmung bei den 14- bis 17-Jährigen in der Aula des Aachener Anne-Frank-Gymnasiums. Davon ist nach dem Gastspiel des Grenzlandtheaters Aachen mit der szenischen Lesung aus dem Tagebuch der Anne Frank wenig zu spüren. An Schüchternheit oder fehlendem Wissen kann es nicht liegen, dass nur wenige Schüler das Angebot von Dramaturgin Nina Dudek zu Nachfragen annehmen. Die doch recht aufgeweckt wirkenden Schüler der 8. bis 10. Klassen sind im Unterricht von ihren Deutschlehrern ausführlich auf Leben und Werk der Schulnamensgeberin Anne Frank vorbereitet worden.
Anne
Frank und Aachen, das darf man bei den Schülern der gleichnamigen Schule
voraussetzen: Damit hatte es seine besondere Bewandtnis. Als die jüdische
Familie Frank aus Frankfurt vor den Nationalsozialisten ins (scheinbar)
sichere Holland floh, gab es einen Zwischenaufenthalt in Aachen. Dort
lebte Annes geliebte Großmutter. Nach der deutschen Besetzung der
Niederlande geriet das Leben der Franks erneut in Gefahr. Von 1942 bis
August 1944 lebten sie in einem Versteck, das schließlich an die deutsche
Gestapo verraten wurde; von wem, ist bis heute ungeklärt. Die Aachener Schüler spüren es „am eigenen Leib“: Was schon beim bloßen Lesen betroffen macht, wühlt bei der Darstellung des Geschriebenen und dabei Gefühlten umso mehr auf. Regisseurin Ingrid Gündisch hat einige Stellen gekürzt, ohne jedoch ein Wort und den Inhalt des Stückes zu verändern. Es zeigt Anne Frank als sensibles Mädchen – das schreibt, um der Enge des Versteckes und dem ständigen „Aufeinanderhocken“ von eigener und Gastfamilie zu entkommen, ein Tagebuch für die imaginäre Freundin „Kitty“. Drei Grundthemen hat Regisseurin Ingrid Gündisch aus dem umfangreichen Material herausgearbeitet. Sie sind für die Beschäftigung junger Menscher mit Literatur und Zeitgeschichte ebenso wichtig wie für die Klärung eigener Lebensträume und -probleme: das „Fertigwerden“ mit politischer Bedrängnis, die Verarbeitung pubertärer Probleme (von der Abgrenzung von der Mutter bis zur ersten Liebe, das Thema des „Erwachsenwerdens“) und das Werden einer Schriftstellerin. Die Bedrängis durch die politische Situation – sie wird in den meisten der Tagebucheintragungen Anne Franks fühlbar. Die permanente Angst vor Entdeckung, das „Ausgeliefertsein“ an inhumane, deformierte Menschen und zutiefst ungerechte Zeitläufte: Das macht sich in den Eintragungen Luft. Gleichzeitig schafft das Schreiben eine Distanz zu den furchtbaren Dingen, ist mithin für Anne überlebenswichtig. Seelischen „Sauerstoff“ atmet Anne auch durch ihre erste Liebe, zu Peter Vandam, dem Sohn der holländischen Leidensgenossen im Amsterdamer Versteck. Die jetzt 15-Jährige, bei allen Problemen mit der Mutter ein ausgesprochenes „Vaterkind“ (mit Vaterkomplex?) hatte vorher einen Jungen namens Peter Schiff aus der Ferne „angehimmelt“. Anne reift, überwindet die idealistische Vorstellung des unerreichbaren Peter Schiff durch den (emotional zunächst abgewehrten) realen Peter Vandam. Wie Anne in ihrer notwendigen Emanzipation gegenüber der Familie und der Liebe zu Peter reift, so ändert sich auch ihr Äußeres (Kostüme von Mary Kuhnt): Ständig wechselt Katja Kuhlmann auf der Bühne ihre Kleidung. Aus dem berockten biederen „Mädel“ wird (vor allem beim Kokettieren und Überstreifen der schicken roten Schuhe) eine selbstbewusste junge Frau. Dass ein sensibler und intelligenter Jugendlicher selbst in einem Meer von Stumpfsinn, Wegschauen und „Mitmachertum“ menschlich fühlen und sogar politisch selbstständig denken kann: Auch dafür sind die Tagbücher Anne Franks ein beeindruckendes Zeugnis. Manchmal schleudert Anne auf der Bühne der erwachsenen „Vernunft“, die solche geistigen Missgeburten wie Krieg, Zerstörung und Massenmord gebiert, ein „Trotzdem“ entgegen. Das ist nur auf den ersten Blick naiv, zeugt jedoch von gesundem Menschenverstand in krank-hysterischen Zeiten: „Gestern noch der furchtbare Luftangriff, heute Morgen singen die Vögel so schön. Warum nur können nicht alle Menschen in Frieden leben?“ Begierig nimmt Anne die aktuellen Meldungen der BBC über den Kriegsverlauf auf, macht sich Gedanken über ihre Bedeutung für den weiteren Kriegsverlauf. Ungestüme Lebensfreude einerseits, Weltschmerz und Todessehnsucht andererseits: Was die innere „Chemie“ jedes pubertierenden Jugendlichen ohnehin in Unruhe bringt, kommt bei einem sensiblen Mädchen in furchtbaren Zeiten besonders stark zum Vorschein. Euphorisch, ekstatisch und in die Luft springend zitiert Anne die Rundfunkmeldungen über den Kollaps des deutschen „Achsen“-Partners Italien (Tagebuch vom 8. September 1943) und der alliierten Invasion (6. Juni 1944). Sie träumt von einem späteren Leben als Schriftstellerin, kritzelt hastig und lebenshungrig auf den Boden ihres engen Zimmers die Wunschorte, an denen sie wohnen und fremde Sprachen und Menschen kennenlernen möchte: „London!“ „Paris!“. Kurz danach – es handelt sich um eine Tagebucheintragung vom gleichen Kriegssommer 1944 – hockt sie entkräftet und düster blickend dem Boden ihres Zimmers. Das Gefühl, die Befreiung nicht mehr zu erleben, ist übermächtig… Schriftstellerin wollte sie werden, und sie wäre, da ist sich Gündisch sicher, eine große Schriftstellerin geworden.
Info: Schulen,
die an weiteren Aufführungen der szenischen Lesung nach den
Tagebuchaufzeichnungen der Anne Frank interessiert sind, melden sich bitte
bei
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Anne Frank in szenischer LesungAachener Nachrichten, 31. August 2007 |
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«Am besten ist es, wenn die Schüler das Tagebuch schon gelesen oder sogar im Unterricht durchgenommen haben», meint Kuhlmann. So wie zum Beispiel Schülerin Ümmü Dedeoglu: «Ich weiß, dass es um die wahren Erlebnisse eines jüdischen Mädchens und ihrer Familie in ihrem Versteck vor den Nationalsozialisten geht», erzählt sie kurz vor der Aufführung. Kuhlmann
sitzt währenddessen ruhig auf der Bühne: «Ein bisschen aufgeregt bin
ich schon», meint sie, «schließlich ist es sehr schwer, dieses Stück
ganz allein zu spielen.» Nach dem großen Ansturm der über hundert Schülerinnen und Schüler kehrt schnell Ruhe ein, als das gut einstündige Stück beginnt. Für die Dauer einer Doppelstunde tauchen die Jugendlichen über die szenische Lesung der Tagebucheinträge ein in das Leben der etwa gleichaltrigen Anne Frank, die ihrem roten Tagebuch ihre Erlebnisse und Gefühle anvertraut. «Wir richten uns bewusst an die zwölf- bis 16-Jährigen, damit sie sich mit Annes Schicksal identifizieren können und erleben, wie es ist, nicht normal aufzuwachsen», erklärt Kuhlmann.
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«Greta» führt Anne-Frank-Stück aufAachener Zeitung, 24. August 2007 |
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Aachen. Am Montag steht für die Schülerinnen und Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums etwas Besonderes auf dem Stundenplan. Sie bekommen Besuch von «Greta», dem jungen Grenzlandtheater. «Das Tagebuch der Anne Frank - Szenische Lesung nach den Tagebuchaufzeichnungen der Anne Frank» heißt die zweite Produktion des mobilen Schultheaterprojektes. Wo könnte die Premiere des Stückes besser stattfinden als im Anne-Frank-Gymnasium in Laurensberg? Die Geschichte von Anne Frank kennen die meisten Schüler. Regisseurin Ingrid Gündisch, die die Textfassung für Schüleraufführung erarbeitet hat, wurde während der Vorbereitung richtig in den Text hineingesogen. Aus dem dichten Werk hat sie drei Hauptlinien für die Schulaufführungen gewählt: die politische Situation, die Auseinandersetzung Annes mit ihrer Familie und Annes Entwicklung zur Schriftstellerin. Schauspielerin Katja Kuhlmann verkörpert Anne, die während der Zeit im Versteck vom Kind zur jungen Frau heranwächst. Für Manfred Langner, den Intendanten des Grenzlandtheaters, ist Anne Frank eine «Identifikationsfigur» für die Schüler. Es sei wichtig, die Erinnerung an die Schrecken des Krieges zu bewahren. Beengt und spartanisch wie das Leben in Annes Versteck ist das Bühnenbild. Einmal laut lachen zu können, ist Annes großer Wunsch. «Aber das Lachen haben wir fast verlernt», stellt sie fest. Ganz nah und intensiv erleben die Schüler so das Leid und die Angst des Mädchens. Nach der eindrucksvollen Aufführung haben die Schüler die Möglichkeit, mit dem «Greta»-Team über das Gesehene zu sprechen. Zur Vor- und Nachbereitung der Aufführung in der Schule bietet Theaterpädagogin Nina Dudek Material für Lehrer. Auch alles anderes, was für die Aufführung gebraucht wird, von Bühne bis Beleuchtung wird vom Grenzlandtheater mitgebracht. Die szenische Bearbeitung von Anne Franks Tagebüchern kann auch von anderen Schulen gebucht werden.
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