Zum Stück
Der Originaltitel des Stückes lautet “America,
Drugi deo”, was so viel bedeutet wie “Amerika, Zweiter Teil” – ein
Verweis auf Kafkas Fragment gebliebenen “Amerika”-Roman, den Biljana
Srbljanovic knapp hundert Jahre nach seiner Entstehung fortschreibt. Auch
ihr Hauptheld heißt Karl Roßmann, auch er ist ein Einwanderer auf dem
Weg nach unten. Es ist die Umkehrung der Perspektive des (amerikanischen)
Traumes, wonach man es vom Tellerwäscher zum Millionär bringen kann.
Karl Roßmann schien es geschafft zu haben: ein überdurchschnittlich
bezahlter Job, eine Eigentumswohnung im Zentrum von New York, Freunde.
Durch einen winzigen Fehler, den er in der Firma begeht, verliert er alles
und fällt ins Bodenlose. Die Freunde erweisen sich als hartherzige
Egoisten oder einfach nur als Realisten in einer Gesellschaft, in der
„Glaube, Liebe, Hoffnung“ fehlen und es jeden als Nächsten treffen
kann. Die Bank gewährt keinen Kredit mehr, die Hausgemeinschaft will ihn
loswerden, der Kellner weist ihn aus dem Restaurant. Mysteriöse Anrufe in
Karls Wohnung machen ihn zudem noch einsamer und heimatloser. Die Autorin
bedient sich in ihrem Stück der bitteren Realitäten aber auch
klassischer Komödienstrukturen: da platzt beispielsweise in ein Treffen
zwischen Karl, seinem Freund Daniel und dessen Geliebter Irene unangekündigt
Daniels Frau, da wird Puderzucker an der Nase für Kokain gehalten etc.
„Ich ertrage weder die
Kunst noch das Dasein ohne eine gehörige Portion Selbstironie“, hat
Biljana Srbljanovic in einem Interview geäußert.